Samstag, August 29, 2026

03 | Anreise und erster Tag

Wie gerne würde ich schreiben: „Es hat alles wunderbar geklappt und ich bin gut angekommen“. Keine Sorge, der zweite Teil stimmt, aber eine reibungslose Fahrt hatte ich leider nicht.

Die Anreise

Da ich vorher mit meiner Familie in Frankreich Urlaub gemacht habe und direkt von dort losgefahren bin, hatte ich zum Glück nur etwa eineinhalb Stunden Fahrt bis Paris, wo ich einen Umstieg hatte. Paris hat sechs Bahnhöfe und wenn man über Paris fährt, muss man immer von einem Bahnhof zum anderen kommen. Da das und vor allem der Ticketkauf nicht so einfach sind, gibt es das Angebot eines ortskundigen Helfers der französischen Partnerorganisation CEI, der mich vom Gare Est zum Gare Montparnasse bringen sollte.
Ohne Verspätung kam ich also am Gare Est an und habe den CEI-Typen gesucht – eigentlich sollte er am Gleis auf mich warten. Nachdem ich ihn nach zehn Minuten nicht gefunden hatte, wollte ich ihn anrufen (ich hatte von ihm den Namen und eine Handynummer) und habe dabei festgestellt, dass mein Handy gesponnen hat (ich weigere mich „spann“ zu schreiben) und ich deshalb keine Anrufe tätigen und entgegennehmen konnte. Daraufhin habe ich den CEI-Typen über WhatApp angerufen – das ging zum Glück – und ihm Nachrichten geschrieben, aber niemanden erreicht. (Meine Nachrichten wurden auch einen Tag später immer noch nicht gelesen …)
Dann bin ich zum Glück einem deutschen Paar über den Weg gelaufen, über deren Handy ich dann nochmals versucht habe, den CEI-Typen zu erreichen – kein Erfolg. Auch die Organisation selbst, die ich danach angerufen hatte, konnte ihn nicht erreichen. Super Aussichten, mittlerweile irrte ich seit einer Stunde im Gare Est rum.
CEI hat mir dann die Ankunftszeit von zwei anderen deutschen Austauschschülerinnen gegeben, die ich treffen sollte, um mit ihnen gemeinsam zum Gare Montparnasse zu kommen. Der CEI-Typ sollte nämlich auch diese beiden abholen und ist bei denen auch nicht aufgetaucht. Nach angespannten zehn Minuten hatte ich sie endlich gefunden und wir sind dann ohne Hilfe der Organisation zum Gare Montparnasse gefahren. War gar nicht so schwer wie gedacht – und so bin ich schließlich zweieinhalb Stunden nach meiner Ankunft am Gare Est endlich erfolgreich am Gare Montparnasse angekommen (eigentlich braucht man 20 Minuten von einem bis zum anderen Bahnhof). Zum Glück hatte ich drei Stunden Puffer eingeplant, sodass ich meinen Anschlusszug gut erreicht habe und pünktlich bei meiner Gastfamilie angekommen bin.

Meine Gastfamilie

Alle sechs haben mich vom Bahnhof abgeholt und nach etwa eineinhalb Stunden (wir standen im Stau …) bin ich dann im Haus meiner Gastfamilie angekommen. Sie sind gerade dabei, einzelne Zimmer zu renovieren, und haben deshalb auch mein Zimmer neu tapeziert und eingerichtet – es ist sehr schön geworden.

Nachdem wir Lasagne zu Abend gegessen haben, haben wir noch eine Runde Quirkle gespielt, bis ich schließlich relativ früh ins Bett gegangen bin, ich war echt müde von dem doch anstrengenden Tag.
Heute sind wir erst auf den Markt in Grenade, der nächst „größeren“ Stadt (9000 Einwohner), gegangen und haben eine Kleinigkeit gegessen, danach habe ich im Schwimmbad meinen Schwimmschein gemacht, der in Frankreich Pflicht beispielsweise fürs Schulschwimmen ist. 15 m vorwärts, 15 m rückwärts schwimmen, eineinhalb Meter tauchen und 15 Sekunden toter Mann – und schon hatte ich das Dokument in der Hand. Ein bisschen albern, aber gut. Nach dem Mittagessen – bestehend aus einem Stück Melone, Gurke und Tomate und dazu Baguette – haben wir dann „die fiesen 7“ gespielt, das hatte ich ihnen mitgebracht. Das Erklären ging sogar, ich hab es ohne Übersetzer geschafft. Heute Abend kommen dann die Großeltern zu Besuch und bleiben über das Wochenende dort.

Ich fühle mich echt wohl bei meiner Gastfamilie, sie behandeln mich nicht wie einen Gast, sondern wie ein Familienmitglied, was es mir leichter macht, mich hier einzuleben. Sie verheimlichen nichts von mir, gestern gab es einen kleinen Streit beim Abendessen, wo es ihnen egal war, dass ich zugehört habe – gut, besonders viel verstanden habe ich ja sowieso nicht 🙃. Trotzdem kann ich irgendwie noch nicht realisieren, dass ich jetzt einfach ein Jahr lang bei dieser Familie leben werde und meine eigene so lange nicht sehen werde. Wohl auch deshalb bin ich ein bisschen traurig, mehrmals sind mir heute schon die Tränen gekommen. Aber ich denke, dass sich das die nächsten Tage legen wird, weil ich hier eigentlich sehr zufrieden bin bisher.

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