Dienstag, September 1, 2026

04 | meine ersten Tage

Ich bin mittlerweile seit vier Tagen in meiner Gastfamilie und habe weiterhin einen guten Eindruck von ihnen. Es geht genauso wild zu wie bei mir zu Hause, mit dem ein oder anderen Streit und Bockanfall :). Trotzdem hatte ich die letzen Tage echt ein bisschen Heimweh. Gerade in Situationen, wo wir gemeinsam am Tisch saßen und ich wenig bis nichts verstanden habe, habe ich dann an meine Familie gedacht und dass es mir jetzt zu Hause besser gehen würde. Da sind mir dann schon ein paar Mal die Tränen gekommen (komischerweise oft frühs und mittags, abends gar nicht). Aber ich merke auch, dass sich das Tag für Tag bessert, also hoffe ich, dass das am Ende der Woche dann langsam passt und ich mal mit meiner Familie telefonieren kann (was ich bisher nicht wollte, damit sich das Heimweh nicht verschlimmert).
Am Sonntag war ich das erste Mal in Frankreich in der Kirche und überhaupt das erste Mal in einem katholischen Gottesdienst. Also ich muss schon sagen, wenn man nichts versteht und bei den Liedern nicht mitsingen kann, können sich 75 Minuten sehr in die Länge ziehen. Aber ich muss mich wohl darauf einstellen, das jetzt öfters zu erleben; meine Gastfamilie geht jeden Sonntag in die Kirche und hat auch viele Freunde in der Gemeinde dort. Dementsprechend ist der Gottesdienst ein Ort, wo sie gerne mit den unterschiedlichsten Leuten quatschen und mir eine Person nach der anderen vorstellen – die ganzen Namen kann ich mir unmöglich alle merken …

Gestern haben wir eine kleine Shoppingtour gemacht, dort habe ich die fehlenden Schulsachen und Drogerie-Zeug gekauft. Danach sind wir über Mittag zu Freunden gefahren, die einen Pool haben – es war leider zu kalt, um länger drinnen bleiben – und anschließend war ich Laufen und hab dabei die Gegend rund um mein neues Zuhause erkundet. Ein positiver Effekt davon, dass ich jetzt auf dem Land lebe, ist definitiv, dass man schnell in den Wald kommt und völlig ungestört ist.
Heute früh dann hatte ich eine Führung in der Schule – aber darüber werde ich die nächsten Tage nochmal extra berichten, denke ich – und anschließend den Vor- und Nachmittag zur freien Verfügung. Frühs war ich in Grenade, die „größere“ Stadt, in der meine Gastmutter auch ihren Laden hat, unterwegs und hab ein bisschen „Sightseeing“ gemacht. Es gibt nicht groß was zu sehen, aber es ist eine süße, kleine Stadt mit ein paar echt schönen älteren Häusern, kein Vergleich zu anderen französischen Städten auf dem Land, die teilweise richtig runtergekommen sind.

Den Nachmittag habe ich genutzt, um mal Nichts zu tun, weil die letzten Tage doch anstrengend waren – ständig französisch hören und sprechen und dann eine ganz neue Situation hier in der Familie sorgen dafür, dass ich abends echt müde bin. Und das wird ab morgen dann noch schlimmer, weil dann die Schule beginnt und ich auch noch auf französisch Lernen muss. Ich hab‘ schon ein bisschen Angst vor der Schule, vor allem, dass ich am Ende alleine bin in der Klasse und keine Freunde finde, aber andererseits tut es mir glaube ich gut, wenn der Alltag hier losgeht und ich mich besser einleben kann. Deshalb versuche ich, positiv zu bleiben und einfach zu glauben, dass das morgen schon gut gehen wird.

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